Immer wieder liest und hört man von drängelnden Rasern in Autos oder auf Motorrädern, natürlich wird auch die Debatte um Kampfradler immer wieder hoch gehalten, aber auch der bei rot vor’s Auto laufende Fußgänger wird nicht vergessen. An Vorurteilen scheint es also nicht zu mangeln. So pflegt jede Gruppe von Verkehrsteilnehmern Ihre eigenen Vorurteile, hat aber auch ganz eigene Vorlieben für Regelverstöße, wie auch sonst gilt hier Ausnahmen bestätigen die Regel.

Autofahrer

Zwar erträgt der Autofahrer Staus, sowie Stop And Go, all morgendlich in der Rush Hour, er wirkt gestresst übt sich aber in Geduld. Kommt es nun aber kurzzeitig zu Verzögerungen durch andere Verkehrsteilnehmer kann einem die bisherige Geduld dann recht schnell platzen, Busse halten an und behindern den Verkehr, Radfahrer sind sowieso zu langsam und deswegen kann man ja auch gar nicht vorankommen. An der Kreuzung wartend kann man dann auch noch ständig beobachten wie all die Radfahrer und Fußgänger kontinuierlich das Rotlicht missachten.
Über jedes kurze Stück freie fahrt ist man froh, dass all die anderen Verkehrsteilnehmer endlich mal nicht den Verkehr blockieren. Nur kurz beschleunigt aber schon zu schnell und auch noch dabei geblitzt, welche eine Frechheit und Abzocke. Nur noch kurz abbiegen und das Ziel ist fast erreicht, da kommt doch tatsächlich wie aus dem nichts noch ein Radfahrer irgendwo her und die Fußgänger stören hier auch schon wieder den fließenden Verkehr. Endlich in der Innenstadt angekommen, auf verzweifelter Parkplatzsuche, muss dann eben doch der Radweg oder Gehweg zum parken herhalten, es ist ja nur kurz und wird bestimmt niemanden stören.

Radfahrer

Egal wo man fährt, es ist ja nie richtig. Auf der Fahrbahn wird man angehupt, genötigt, geschnitten und mit viel zu wenig Abstand von Autos überholt, die hat man in kürze wieder eingeholt und das Szenario beginnt von neuem. Wenn man dann aber doch mal den Radweg benutzt scheint sicher, dass schon nach ein paar Meter ein parkendes Auto den Weg blockiert. Auch Fußgänge lieben es natürlich auf dem nicht baulich getrennten Radwegen zu flanieren. So wie man das unbeschadet überstanden hat und die nächste Kreuzung ansteuert wird man auch schon wieder von rechtsabbiegenden Autos fast über den Haufen gefahren.
Auch als Radfahrer hat man es natürlich eilig, aber die schlechte Infrastruktur provoziert ja geradezu zu eine flexible Auslegung der StVO, während der motorisierte Verkehr auf der grünen Welle reitet, steht man selbst vor immer roten Ampeln. Ein kurzen Blick nach links und rechts, schnell zwischen den, die Fahrbahn überquerenden, Fußgängern durchgemogelt und schon kann die Fahrt zügig weiter gehen. Wenn man allerdings nur schnell rechts abbiegen möchte kann man ja auch getrost über den Gehweg abkürzen, das spart auch Wartezeit an den unnützen Ampeln. Auch wenn kein Radweg vorhanden ist und die Fahrbahn zu voll, gibt es ja die tolle Alternative des Gehweges, wenn die Fußgänger noch etwas mehr Platz machen würden könnte man sein Ziel auch schnell erreichen.

Fußgänger

Beim überqueren der Fahrbahnen muss man ja ständig damit rechnen von Autos umgenietet zu werden, auch an Kreuzungen muss man dabei ständig, trotz Vorrang, zurück stecken. Das eigen Leben ist einem schließlich doch noch etwas Wert. Die andere Seite erreicht kann man wieder entspannt flanieren, wenn da nicht diese ignoranten Radfahrer wären, man wünscht sich schon Augen im Hinterkopf um die Gefahr rechtzeitig zu erkennen. Sei der Gehweg auch noch so schmal bestimmt hat die Verkehrsverwaltung noch ein paar Zentimeter gefunden um einen Radweg auf kosten der Fußgänger zu markieren.
Bei solch schmalen Gehwegen kann man ja gar nicht anders als auch den Radweg benutzten und überhaupt woran soll man denn diesen meist schlecht markierten Radweg auch erkennen. Da rote Ampeln nur für Kraftfahrzeuge erfunden wurden, sollte man sich als Fußgänger auch nicht wirklich darum scheren. Ein kurzer Blick reicht aus, die Fahrbahn ist frei und schon kann man schnell rüber. Für längere Strecken nutzt man schon mal gern den ÖPNV, aber auf kurzen Strecken muss man ja nicht unbedingt ein Ticket kaufen, der Preis steht dabei ja auch in gar keinem Verhältnis.

Im Durchschnitt ist keiner der Verkehrsteilnehmer besser die anderen, die eigene Wahrnehmung verzerrt und die Regelverstöße der jeweiligen Gruppe sind in Ihrer Häufigkeit schlicht andere.

Autofahrer: überhöhte Geschwindigkeit, falsch parken, missachten der Vorfahr von Fußgängern und Radfahrern
Radfahrer: Rotlichtverstöße, fahren auf dem Gehweg, fehlende Beleuchtung
Fußgänger: Rotlichtverstöße, laufen auf dem Radweg, Schwarzfahren im ÖPNV

PS.: Als Radfahrer ärgere mich täglich nicht nur über die anderen Gruppen sondern auch über andere Radfahrer. Auch die bei Rotlicht fahrenden Radfahrer nerven, weil ich diese dann auf dem meist schmalen Radweg nach ein paar Metern schon wieder überholen muss und dies nicht immer sicher möglich ist.